Berner Stadtrat für Wohnungsbau in Holligen
Von Berner Zeitung, Tobias Habegger, 18.03.2011
Der Stadtrat hat gestern die Planung Holligen angenommen. Geplant sind 190 Wohnungen an zentraler Lage. Die Schrebergärten an der Mutachstrasse müssen dem Bauprojekt weichen.
Das Stimmvolk hat am 15. Mai das letzte Wort. Die gestrige Stadtratssitzung begann mit einer Schweigeminute für die Menschen in Japan. Die anschliessende Debatte über die Planung Holligen verlief zahm, denn die meisten Parlamentarier waren sich einig. «Damit Bern weiter wächst, brauchen wir neuen Wohnraum», sagte Dolores Dana (FDP). Er habe elf Jahre lang in Holligen gewohnt, sagte Rudolf Friedli (SVP). «In dieser Zeit habe ich mich oft gefragt, weshalb die Wiesen hier nicht längst überbaut sind.»
Genau das ist nun geplant: 190 Wohnungen mit Platz für 380 Einwohner sollen acht Tramminuten vom Berner Bahnhof entfernt entstehen. 120 in der Überbauung Muttachstrasse, 60 an der Holligenstrasse, 20 an der Freiburgstrasse. «Das Holligenquartier ist daran, sich zu erneuern», sagte Stadtpräsident Alexander Tschäppät (SP).
Hobbygärtner im Rathaus
Die Gegner des Bauprojekts sassen auf der gut besuchten Zuschauertribüne im Rathaus. Sie nennen sich Komitee «Holligen bleibt grün». Sie kämpfen für den Erhalt der Familiengärten. Die 117 Parzellen zwischen Schloss- und Muttachstrasse müssen den Wohnungen weichen. Zwei Drittel der Gärten werden ins Bottigenmoos und an die Könizstrasse verlegt. Einzig die Schrebergärten südlich der Schlossstrasse werden in den geplanten Stadtpark integriert.
GPB-Stadtrat Luzius Theiler begrüsste die Zuschauer mit den Worten «liebe engagierte Gäste». Er lobte deren Widerstand und sagte: «Auf der ganzen Welt wirbt Berntourismus mit dem Grünraum der Stadt Bern. Diese Lebensqualität verdankt die Stadt solchen Leuten, die sich für die Grünzonen wehren.» Wenn die Stadtbehörden alle unterbenützten Gebiete überbauen, gebe es einen Siedlungsbrei.
Neben wenig Lob ernteten die Hobbygärtner auf der Tribüne viel Tadel: «Eigentlich müsstet ihr dankbar sein, weil ihr so lange dort gärtnern durftet», sagte Dolores Dana (FDP). «In Anbetracht der Bodenpreise habt ihr die teuersten Kartoffeln in Bern angepflanzt.» Auch Edith Leibundgut (CVP) fand klare Worte: «Ich habe lieber Wohnraum für Familien als umzäunten Grünraum, der von ein paar wenigen benutzt wird – und das erst noch während einer begrenzten Zeit.» Diplomatischer sagte es Aline Trede (GB/JA): «Wir können nicht immer vom verdichteten Bauen reden und uns dann wehren, wenn es so weit ist.»
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