Von Berner Zeitung, Jessica King, 21.2.2011
Am Samstag stellte sich Bernmobil-Direktor René Schmied den verärgerten Anwohnern des Quietschtrams, konnte den Lärmgeplagten aber nur teilweise Verbesserungen versprechen. Er wurde ausgebuht.

Protest gegen das Quietschtram: Bernmobil-Direktor notiert sich die Fragen und Vorwürfe der Quartierbevölkerung.
Bild: Nadia Schweizer
In die Höhle des Löwen gewagt hat sich am Samstag Bernmobil-Direktor René Schmied – es erwarteten ihn auf dem Cäcilienplatz ungefähr 200 lärmgeplagte Anwohner, die ihrem Ärger über das quietschende blaue Bähnli lautstark Luft verschaffen wollten. «Wir Städter müssen auf Kosten der Agglomeration einstecken – wer will denn überhaupt vom Fischermätteli nach Worb?», protestierte eine Anwohnerin und erntete damit tosenden Applaus.
Möuk Stöckli, ein Bewohner des Fischermätteli-Quartiers, nannte gleich zu Beginn drei Forderungen, welche von einer Arbeitsgruppe ausgearbeitet worden waren: «Erstens fordern wir ab sofort ruhige öffentliche Verkehrsmittel, vom ersten bis zum letzten Tram.» Zweitens wollten sie geeignete Trams für ältere Fahrgäste, Gehbehinderte, Rollstuhlfahrer und Kinderwagen. Und drittens forderten sie einen verdichteten Fahrplan im Sechsminutentakt, der pünktlich eingehalten wird. «So wie früher.»
Buhrufe für Schmied
So gross der Applaus bei dieser Ansage Stöcklis, so laut auch die Buhrufe für René Schmied, der die undankbare Aufgabe auf sich genommen hatte, diese Forderungen der Quartierbewohner auszuschlagen.
Immer wieder betonte der Bernmobil-Direktor, dass sie einen engen Spielraum besässen. So könne Bernmobil zwar mit Sofortmassnahmen dienen, wie das Ersetzen der Trams am Abend durch Busse; es sei aber unmöglich, die blauen Bähnli statt ins Fischermätteli in Richtung Bümpliz zu schicken, wie von einigen Anwohnern gefordert. «Neue Trams würden zudem 70 Millionen Franken kosten – das Geld haben wir schlichtweg nicht.»
Schmied präsentierte eine Langzeitlösung, die ab Sommer die Anwohner des 6er-Trams entlasten sollte: «Wir testen neue Räder, die einen deutlich geringeren Lärmpegel aufweisen.» Problematisch ist, dass Bernmobil die Räder erst in sieben Monaten erhalten wird – sehr zum Entsetzen der Zuhörenden. Schmied liess aber einen Hoffnungsschimmer für den Sommer aufkommen: Das Weichendreieck beim Zytglogge werde in den Ferien umgebaut, weshalb während fünf bis sieben Wochen kein blaues Bähnli ins Fischermätteli ruckeln werde. Das Quartier werde während dieser Zeit mit dem Bus erschlossen. Trotz vielen schlechten Nachrichten zeigte Schmied für den Frust der Quartierbewohner Verständnis: «Wenn ich nur hexen könnte, dann würde ich.»
Für die lärmgeplagten Anwohner waren diese Lösungen aber zu wenig wirkungsvoll. «Das sind viele schöne Worte, Herr Schmied. Entscheidend ist aber: Wir wollen kein blaues Bähnli mehr!», rief ein älterer Herr.
Wut gegenüber Bernmobil
In der anschliessenden Fragerunde entlud sich die Wut von vielen Anwesenden, die sich von Bernmobil übergangen fühlten. Schmied wurde aufgefordert, die Anwohner bei den Tests der neuen Räder miteinzubeziehen sowie Arbeitspsychologen zu den gesundheitlichen Gefahren von Dauerlärm zu befragen. Auch der Seniorenrat solle in Zukunft befragt werden, denn für ältere Leute sei das Tram schlichtweg «eine Zumutung».
Anschliessend an das Treffen übergab Möuk Stöckli dem Bernmobil-Direktor 1172 Unterschriften gegen das blaue Bähnli – ein deutlicher Aufruf zum Handeln. (Berner Zeitung)